Handlungsbedarfe für Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen visuell darstellen: Die Wärmebildkamera macht wirksame Klimakommunikation möglich
I kommunales
Wärmebilder von Gebäuden oder dem Stadtraum machen Problemstellen sichtbar: Hier verliert ein Haus über ein Bauteil besonders viel Wärme oder hier heizt sich ein Viertel durch einen nicht verschatteten asphaltierten Platz extrem auf. Diese plakativen Bilder können einerseits den Handlungsdruck unterstreichen und andererseits eingesetzt werden, um den Erfolg von Maßnahmen zu zeigen und somit zum Handeln motivieren.
Bilder erzeugen eine größere Aufmerksamkeit und wir können uns Aussagen, die bildhaft vermittelt werden aufgrund unserer Hirnstruktur besser merken. Unser sogenanntes „Visuelles Arbeitsgedächtnis“ (vgl. Psychologisches Institut, Universität Zürich) wird durch Wärmebilder angesprochen und somit Erinnerungsanker gesetzt, die eine zukünftige Handlungsbereitschaft verstärken können.
Das Aufzeigen von energetischen Schwachstellen ist dann besonders wirkungsvoll, wenn es direkt in Kombination mit der Präsentation von Lösungsvorschlägen geschieht: Ich sehe mein Haus verliert durch alte Fenster viel Wärme – ein Fenstertausch wird derzeit durch Bundesfördermittel finanziell unterstützt und in diesem Zuge sollte ich auch die Dämmung meiner Außenwand überprüfen, um Schimmelbildung zu vermeiden. So können die Thermografieaufnahmen Ausgangspunkt für eine ganzheitliche Energieberatung sein, die idealerweise im Anschluss über einen individuellen Beratungstermin oder einen gemeinsamen Infoabend erfolgt.
Wie funktioniert’s?
Eine Wärmebildkamera kann Wärme sehen. Das bedeutet: Sie zeigt, wie warm oder kalt etwas ist. Die Kamera zeigt warme Dinge in hellen Farben (z. B. Rot, Gelb oder Weiß). Kalte Dinge sind in dunklen Farben (z. B. Blau, Lila oder Schwarz). Extreme Temperaturunterschiede zeigen sich in der Wärmebildkamera am deutlichsten – daher machen Beteiligungs- und Veranstaltungsformate mit Wärmebildkamera im Winter und Sommer Sinn.
Temperatur-Farbskala (Wärmebildkamera)
Der Einsatz einer Wärmebildkamera bietet sich vor allem bei Veranstaltungen mit Kleingruppen von 20-30 Personen an. Zum Beispiel bei Thermografie-Spaziergängen durch eine Nachbarschaft in der kalten Jahreszeit oder einem Klimaanpassungs-Spaziergang durch ein Quartier im Sommer an warmen Tagen. Weiterhin kann die Kamera auch als Bildungsinstrument eingesetzt werden, um bei Passanten z.B. bei Aktionstagen auf dem lokalen Marktplatz für Aufmerksamkeit zu sorgen und Wissen zu vermitteln.
In unterschiedlichen Projekten hat die ZEBAU GmbH Erfahrungen zum wirksamen Einsatz dieser Technik gesammelt. Ein Kommunikationsprojekt „Billstedt bewegt was“ im Hamburger Stadtteil Billstedt illustriert ein winterliches und sommerliches Anwendungsbeispiel:
Sanierungsspaziergang mit Wärmebildkamera
Thermografiespaziergänge sind eine geeignete Maßnahme, um für Nicht-Fachleute Mängel an der Gebäudehülle erkennbar zu machen. Durch die Thermografieaufnahmen mit einer Wärmebildkamera können Wärmebrücken und Schwachstellen live am Gebäude sichtbar gemacht werden. In den abendlichen Rundgängen mit bis zu 30 Teilnehmenden stellt ein Energieexperte der ZEBAU GmbH Gebäude von angemeldeten Eigentümer:innen vor und erläutert die in der Thermografie erkennbaren Mängel. Dabei werden Modernisierungsmaßnahmen näher erklärt und passende Förderprogramme vorgestellt. In Billstedt waren wir im November mit einer kleinen Gruppe von Eigentümer:innen auf „Entdeckungsreise“ und haben uns unter anderem den Unterschied zwischen einer Neubau- und Altbaufassade angeschaut. Außerdem zeigte sich im Rundgang, dass ungedämmte Sockelbereiche, Garagentore und Eingangsbereiche typische Schwachstellen für Energieverluste am Gebäude darstellen. Auch eine Kerndämmung kann mit dieser Methode überprüft werden. Wie in dem Bild ersichtlich wird, ist hier die Dämmung nicht gleichmäßig in der Wand verteilt.
Interessant war es für die Teilnehmenden insbesondere, wenn in der Nachbarschaft bereits das Dach gedämmt wurde und dieses nun im Wärmebild viel besser abschneidet als das eigene. Besonders eindrücklich zeigte sich dies an einem Mehrfamilienhaus einer Wohneigentümergemeinschaft bei der einzelne Wohneinheiten die Fenster bereits durch eine Dreifachverglasung getauscht haben und diese nun im Vergleich zu den anderen deutlich geringere Temperaturverluste zeigten (siehe Bild). Genau diese Bilder sind so eindrücklich, dass sie bei der nächsten Eigentümerversammlung eine gute Argumentationsgrundlage für den Fenstertausch für weitere Eigentümer:innen bieten.
Aktionstag zum Thema Klimaanpassung mit Versickerungsexperiment und Rätselfrage
Beim Aktionstag „Mach dein Zuhause wetterfest“ drehte sich im Juli alles um die Anpassung unserer Städte an den Klimawandel und damit die heißeren und regenreicheren Sommer. Ein Plakat zeigte typische Hamburger Problemorte an Hitzetagen, die zuvor an einem Nachmittag mit über 35 °C Außentemperatur aufgenommen wurden. Beispielsweise zeigen diese Bilder wie sehr sich die für Hamburg charakteristischen Backsteinfassaden durch ihre dunkle Farbe und das Material aufheizen. Im Vergleich dazu wird erkenntlich, dass die weiße Stahltür deutlich kühler ist und sich auch verschattete Bereiche an Fassaden weniger aufheizen.
Die Besucher:innen konnten am Aktionstag bei Versickerungsexperimenten selbst erleben, wie unterschiedlich schnell Wasser durch einen Untergrund aus Schotter im Vergleich zu mit Gras bewachsener Erde versickert. In Kombination mit der Wärmebildkamera, die vor Ort selbst bedient werden konnte, zeigte sich, dass sich die Gras-Variante nicht nur Regenwasser länger speichert und verlangsamt durch Verdunstung wieder abgeben kann, sondern auch, dass sich diese Fläche deutlich weniger aufheizt als die trockene dunkle Schotterfläche. Übertragen auf den eigenen Vorgarten zeigen diese Experimente anschaulich, welche Gestaltung nicht nur dem Klima zugutekommt, sondern auch das Wohlbefinden im Eigenheim steigert. Die Experimente eigneten sich als Eisbrecher, um Interesse am Infostand zu wecken und zur weitergehenden Beratung nach dem Aha-Moment an Expert:innen für eine möglichst artenreiche Gartenbepflanzung weiterzugeben.
Quellen:
Psychologisches Institut, Universität Zürich. (o. J.). Visuelles Arbeitsgedächtnis. https://www.psychologie.uzh.ch/de/bereiche/nec/allgpsy/forschung/aktuelle-projekte/visuelles-arbeitsgedaechtnis.html
Autorin: Amke Oltmanns, Fachbereichsleitung Klimakommunikation
Weitere Informationen ZEBAU – Fachbereich Klimakommunikation
Die ZEBAU GmbH gestaltet mit einem interdisziplinären Team aus Kommunikationswissenschaftler:innen, Stadtplaner:innen, Umweltberater:innen und Grafiker:innen innovative und zielgruppenspezifische Kommunikationskampagnen, Beteiligungsformate und Workshops. Bei Interesse an Veranstaltungsformaten mit Thermografie sprechen Sie gerne unseren Fachbereich Klimakommunikation an.
