Kommunale Wärmeplanung im ländlichen Raum – lohnt sich das?
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Die Energiewende in Deutschland erzielt schrittweise Fortschritte hinsichtlich Klimaschutz und Innovation. Dennoch entfällt ein Großteil des Endenergieverbrauchs auf Raumwärme und Warmwasser, welcher nach wie vor überwiegend durch fossile Energieträger gedeckt wird. Die kommunale Wärmeplanung (KWP) gilt als zentrales Instrument der Wärmewende auf lokaler Ebene. Während Nutzen und Wirtschaftlichkeit in Städten und dicht besiedelten Kommunen belegt sind, wirft der Einsatz im ländlichen Raum die Frage nach dem tatsächlichen Mehrwert auf.
Ländlichkeit zeichnet sich durch niedrige Bevölkerungsdichte, weitläufige land- und forstwirtschaftliche Flächen, heterogene Bebauung und einem Abstand zu Oberzentren aus. Laut Thünen-Institut umfassen ländliche Räume in Deutschland 57 % der Bevölkerung und 91 % der Landfläche, sodass kleine Kommunen zu einem hohen Anteil im ländlichen Raum liegen. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG), welches den verbindlichen Rahmen für die kommunale Wärmeplanung bildet, schafft für ebendiesen ländlichen Kommunen durch vereinfachte Verfahren und gemeinsame Wärmeplanung Flexibilität für regional angepasste Strategien.
Die Erfolgswahrscheinlichkeit ländlicher Wärmeplanungen wird durch eine Vielzahl administrativer, wirtschaftlicher und sozialer Faktoren beeinflusst. Ein zentraler Hemmfaktor liegt im hohen Koordinationsaufwand. Die Einhaltung der gesetzlichen Anforderungen und dabei die Notwendigkeit zu erfüllen, individuelle Lösungen zu berücksichtigen, überfordern oftmals die vorhandenen personellen Planungskapazitäten in Kommunen. Hinzu kommt, dass die zusätzliche Aufgabe der Wärmeplanung nur schwer in die bestehenden Verwaltungsstrukturen integriert werden kann. Ländliche Räume sind zudem häufig durch ein Nebeneinander eigenständiger Gemeinden mit eigenen Ortsräten und Verwaltungen geprägt, die in größere Verwaltungseinheiten wie Ämter oder Samtgemeinden eingebunden sind. Diese Vielfalt an Zuständigkeiten und das teils fehlende Fachwissen der politischen und administrativen Akteure erschweren und verlangsamen die Entscheidungsprozesse in der kommunalen Wärmeplanung.
Andererseits bieten ländliche Räume durch kurze Wege zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft eine besondere Akteursnähe. Lokale Fachakteure übernehmen häufig Mehrfachrollen, was die Chance erhöht, fachliches Know-how, organisatorische Verantwortung und Vermittlungsfunktionen zu bündeln. Bestenfalls besteht gleichzeitig eine pragmatische Machermentalität, die eine tatkräftige, lösungsorientierte Herangehensweise an die kommunale Wärmeplanung erleichtert.
Die wirtschaftliche Ausgangslage ländlicher Räume ist ein weiterer Einflussfaktor. Besonders in den nördlichen Bundesländern gelten viele ländliche Kommunen als strukturschwach, da sie unter die Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW) fallen. Diese Einstufung geht häufig mit eingeschränkten finanziellen Spielräumen auf kommunaler Ebene einher, was Investitionen in neue Wärmeversorgungssysteme oder in die Modernisierung bestehender Infrastrukturen erschwert. Gleichzeitig stehen im privaten Eigentum oft nur begrenzte Mittel für die Umsetzung innovativer Wärmeversorgungslösungen zur Verfügung.
In ländlichen Regionen sind Flächen für Anlagen, Leitungswege oder Speicherlösungen in der Regel leichter zugänglich, da weniger Fläche bebaut ist. Die ausgeprägte Heterogenität der Siedlungsstrukturen von kompakten Haufendörfern über linear geprägte Straßendörfer bis hin zu Sonderformen wie Gutshöfen erschwert jedoch die Entwicklung standardisierter, wirtschaftlich tragfähiger Wärmelösungen abseits der Wärmepumpe. Der hohe Anteil an Gebäuden im privaten Eigentum verstärkt diese Herausforderung, da Investitionsentscheidungen dezentral getroffen werden und stark von individuellen finanziellen Möglichkeiten und Präferenzen abhängen.
Eine fehlende Wärmeplanung zieht derzeit keine rechtlichen Konsequenzen nach sich, gleichzeitig bestehen jedoch verpflichtende Vorgaben, etwa zum Heizungstausch nach Gebäudeenergiegesetz. Eine kommunale Wärmeplanung im ländlichen Raum lohnt sich als strategisches Orientierungsinstrument, wenn sie an die spezifischen Gegebenheiten angepasst wird. Sie ermöglicht die Entwicklung einer langfristigen Strategie und unterstützt bei der Umsetzung energieeffizienter Lösungen. Entscheidend für ihren Erfolg im ländlichen Raum ist das Vorhandensein lokaler Ressourcen, wie Energieerzeugungspotenziale, ausreichend Flächen sowie motivierte Akteure vor Ort. Darüber hinaus werden durch die Planung Synergien sichtbar, etwa durch neue Gewerbe- oder Wohngebiete und geplante Straßenbaumaßnahmen. Für ländliche Kommunen mit teils dichten Siedlungsstrukturen in den Ortskernen oder mit eng bebauten Bereichen ermöglicht die kommunale Wärmeplanung die Entwicklung wirtschaftlich tragfähiger und gemeinschaftlicher Versorgungslösungen.
Die kommunale Wärmeplanung ist kein Selbstzweck und kein Allheilmittel. Richtig ausgestaltet kann sie jedoch auch im ländlichen Raum dazu beitragen, Klimaziele zu erreichen und Bürger:innen Sicherheit für die Zukunft zu geben.
Quellen:
Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2026). Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW). https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/gemeinschaftsaufgabe-verbesserung-der-regionalen-wirtschaftsstruktur.html
Neumeier, Dr. Stefan; Osigus, Torsten. Thünen-Institut Forschungsbereich ländliche Räume (2026). Der Thünen-Landatlas: Karten und Daten zu ländlichen Räumen Deutschlands (Stand: 02/2026). https://karten.landatlas.de/
Autorin: Jessica Zander, Fachbereichsleitung Kommunaler Klimaschutz
Weitere Informationen ZEBAU – Fachbereich Kommunaler Klimaschutz
Die ZEBAU GmbH begleitet Samtgemeinden, Ämter sowie Gemeinden mit weniger als 3.000 Einwohner:innen bei der Erstellung ihrer kommunalen Wärmeplanungen. Dadurch verfügen wir über einen praktischen Einblick in die Herausforderungen bei der Konzepterstellung im ländlichen Raum und entwickeln gemeinsam Lösungsansätze, die für ebendiese Kommunen funktionieren.
